
Vom Triebfahrzeug zur Jobmesse: Tabea hat in wenigen Jahren einen ungewöhnlichen, aber umso eindrucksvolleren Weg zurückgelegt. Heute ist sie Junior HR-Projektmanagerin im Personalmarketing mit echter Praxiserfahrung aus dem Fahrbetrieb.
Lesen Sie in diesem Interview, warum sie die Seiten gewechselt hat, was sie an ihrem neuen Job begeistert und warum der Beruf als Lokführerin für sie mehr ist als Technik und Verantwortung.
Nach meiner Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten habe ich zunächst in diesem Beruf gearbeitet. Während der Pandemie 2020 habe ich dann den Quereinstieg zur Triebfahrzeugführerin gewagt. Ich fand es faszinierend zu sehen, wie viel Teamarbeit, Technik und Herzblut hinter einem funktionierenden Bahnverkehr stecken. Dieses Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein, hat mich direkt gepackt. Nach ein paar Jahren im Führerstand habe ich gemerkt, dass ich nicht nur Teil des Betriebs sein, sondern auch hinter die Kulissen schauen und mich weiterentwickeln möchte. Da ich die Bahnbranche unglaublich spannend fand, bin ich in den Personalbereich gewechselt und bringe jetzt bei Transdev meine praktischen Erfahrungen mit ein.
„Ich wollte mehr bewegen – und bin jetzt dort angekommen, wo ich beides verbinden kann: Praxis und Weiterentwicklung.“
Ich habe mich für den Beruf der Triebfahrzeugführerin entschieden, weil ich etwas Neues ausprobieren wollte. Mein früherer Job hatte zwar auch seine guten Seiten, aber mir fehlte die Abwechslung und das Gefühl, wirklich etwas Greifbares zu leisten. Die Vorstellung, einen Zug zu steuern und Verantwortung für die Fahrgäste zu übernehmen, fand ich total spannend.
Während meiner Zeit im Führerstand habe ich unglaublich viel gelernt und die Bahnbranche für mich entdeckt. Ich habe in der Zeit im Führerstand nicht nur technisch unglaublich viel gelernt, wie die Fahrzeuge funktionieren, wie man Störungen einschätzt und wie die Systeme zusammenspielen, sondern auch persönlich. Gerade in stressigen Situationen lernt man, ruhig zu bleiben, sich zu strukturieren und Schritt für Schritt vorzugehen. In solchen Momenten ist man das Fachpersonal vor Ort und gleichzeitig die Schnittstelle zwischen Fahrdienstleiter, Leitstelle und den Fahrgästen. Da merkt man schnell, wie wichtig klare Kommunikation, Übersicht und ein kühler Kopf sind, besonders wenn etwas nicht planmäßig läuft. Genau dieses Zusammenspiel aus vielen Menschen, Abläufen und Verantwortung macht für mich die Bahnbranche aus – jeder trägt seinen Teil dazu bei, damit am Ende alles zuverlässig läuft. Auch wenn ich mittlerweile wieder im Büro arbeite, hat mich die Faszination für den Schienenverkehr nie losgelassen. Jetzt kann ich meine Erfahrungen aus der Praxis nutzen, um die Branche aus einer anderen Perspektive mitzugestalten.
Zu Beginn war es natürlich eine neue Erfahrung, in einer männerdominierten Branche zu arbeiten. Aber im Arbeitsalltag hat das keine große Rolle gespielt. Ich wurde genauso ernst genommen und behandelt wie alle anderen. Entscheidend war, dass ich meinen Job gut machte und Verantwortung übernahm. Meine Kollegen waren immer hilfsbereit, und es gab einen starken Zusammenhalt – unabhängig vom Geschlecht. Gerade am Anfang habe ich die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen besonders geschätzt. Auch wenn man nach der Ausbildung gut vorbereitet ist, läuft die erste Schicht in der Realität manchmal anders als geplant. Bei mir ist damals wirklich alles schief gelaufen, was schief laufen konnte. Ich hatte mehrere Störungen am Zug und gleichzeitig den Druck, den Zug pünktlich wieder einzusetzen. Ein Kollege, der seinen Zug in der Abstellanlage neben mir abgestellt hat, hat das mitbekommen. Obwohl er eigentlich schon Feierabend hatte, ist er noch einmal zu mir rübergekommen und hat mir geholfen, die Störungen in Ruhe durchzugehen und alles wieder in Ordnung zu bringen. Was mir dabei besonders aufgefallen ist: Man bekommt wirklich immer Hilfe. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand belächelt wird, nur weil man etwas noch nicht weiß oder weil man in einer stressigen Situation Unterstützung braucht. Im Gegenteil, alle ziehen an einem Strang und geben ihre Erfahrung weiter. Genau dieses Miteinander macht die Bahnbranche für mich aus. Man sagt nicht ohne Grund, dass wir eine Eisenbahnerfamilie sind. Am Ende zählte, was man kann und wie man sich einbringt.
Ich habe schon öfter gehört, dass Frauen ein feineres Gespür beim Bremsen hätten – ob das wirklich stimmt, kann ich nicht beurteilen, aber ich habe zumindest nie Beschwerden bekommen. Ein großer Vorteil ist, dass der Beruf abwechslungsreich und verantwortungsvoll ist, unabhängig vom Geschlecht. Gleichzeitig ist es schön zu sehen, dass immer mehr Frauen in den Führerstand wechseln und damit zeigen, dass dieser Job für alle offen ist. Natürlich gab es auch Herausforderungen. Die sanitären Bedingungen unterwegs hätten besser sein können, und hin und wieder bin ich noch alten Denkmustern begegnet. Aber je mehr Frauen in diesem Beruf arbeiten, desto schneller ändert sich das.
Der Job als Triebfahrzeugführerin war für mich eine ganz besondere Erfahrung. Der Beruf war für mich eine besondere Erfahrung, weil er unglaublich sinnvoll ist. Man trägt viel Verantwortung, hat einen direkten Einfluss darauf, dass Menschen pünktlich zur Arbeit, zur Schule oder zu Terminen kommen und spürt jeden Tag, dass man wirklich gebraucht wird. Am Ende des Tages nach Hause zu gehen und zu wissen, dass ich einen sinnvollen Beitrag geleistet habe – Menschen sicher ans Ziel gebracht, den reibungslosen Ablauf im Bahnverkehr mitgestaltet – das war ein großartiges Gefühl.
Es war eine Tätigkeit mit viel Verantwortung, bei der jede Entscheidung zählte. Es waren Entscheidungen darüber, wie man technische Probleme richtig behebt und ob ein Zug nach einer Störung überhaupt weiterfahren darf und wie man in solchen Situationen angemessen handelt. In diesen Momenten muss man schnell und verantwortungsvoll entscheiden, weil viele Menschen direkt davon abhängig sind. Egal, ob der Tag ruhig verlief oder unerwartete Herausforderungen auftraten, ich wusste immer, dass meine Arbeit einen direkten Einfluss hatte.
Die Bahnbranche hat mich geprägt und fasziniert mich bis heute. Die Fahrzeuge mit viel PS und die Technik dahinter, die Verantwortung, die man trägt, weil jede Entscheidung Auswirkungen auf Sicherheit und Ablauf hat, und die Tatsache, dass jeder Tag anders ist und man immer wieder neue Situationen meistert. All das macht den Beruf so einzigartig und spannend.
Als HR-Projektmanagerin im Personalmarketing bin ich hauptsächlich für die Organisation und Planung von Jobmessen und Veranstaltungen verantwortlich, vor allem für die deutsche Zentrale in Berlin. Zusätzlich unterstütze ich vor Ort bei den Gesellschaften, wenn sie Hilfe bei Events oder Jobmessen benötigen. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit im Personalmarketing ist es, Fahrerberufe im Bus- und Bahnbereich attraktiver zu machen und neue Wege zu finden, um mehr Menschen auf diesen Beruf aufmerksam zu machen.
Durch meine Erfahrung als Triebfahrzeugführerin kenne ich die Anforderungen des Berufs sehr genau. Die Anforderungen gehen weit über Dinge wie Mindestalter oder Tauglichkeitsuntersuchung hinaus. Man muss sich bewusst sein, dass die Umschulung sehr anspruchsvoll ist und in kurzer Zeit extrem viel Wissen vermittelt wird. Die Lernphase ist intensiv, weil man sich tief in Technik und die vielen Regelwerke einarbeiten muss, die später im Alltag selbstverständlich sitzen müssen. Dafür braucht man echte Lernbereitschaft, Disziplin und den Willen, dranzubleiben, auch wenn es anstrengend wird. Auch wenn grundsätzlich jede Bewerberin und jeder Bewerber eine Chance hat, solange die Voraussetzungen erfüllt sind, zeigt sich schnell, wer sich gut mit dem Berufsbild identifizieren kann und Freude an der Aufgabe mitbringt.
Besonders spannend finde ich, wie unterschiedlich die Hintergründe sein können. Ich habe Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedensten Branchen kennengelernt. Einer war früher sogar Augenarzt und hat seine Praxis verkauft, um seinen Kindheitstraum zu verwirklichen. Solche Geschichten zeigen mir, dass es weniger auf den ursprünglichen Beruf ankommt, sondern auf Motivation, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, sich auf etwas völlig Neues einzulassen. Diese Vielfalt macht den Beruf so besonders und mein Ziel ist es, genau diese unterschiedlichen Wege und Motivationen im Personalmarketing stärker sichtbar zu machen.
Ich möchte mich sowohl fachlich als auch persönlich weiterentwickeln und immer dazulernen. Dazu gehört für mich auch, den Beruf der Triebfahrzeugführer*in noch attraktiver und greifbarer zu machen. Ein Beispiel dafür ist die neue Seite im Karrierebereich – speziell für den Quereinstieg –, die ich erstellt habe. Viele Bewerberinnen konnten sich anfangs kaum vorstellen, was sie in der zehnmonatigen Umschulung erwartet. Durch die neue Seite erhalten sie jetzt einen klaren Überblick über den Ablauf, den Berufsalltag und die Anforderungen. So holen wir Interessierte viel früher ab und geben ihnen ein realistisches Bild vom Einstieg.
Zusätzlich habe ich einen Flyer zur Eignungsuntersuchung entwickelt. Viele potenzielle Bewerbende wissen vorher nicht, was sie bei der Tauglichkeitsprüfung erwartet. Mit dem Flyer schaffen wir mehr Transparenz und geben Bewerberinnen die Möglichkeit, sich gezielt vorzubereiten. Das nimmt vielen die Nervosität und erhöht die Chance, die Untersuchung erfolgreich zu bestehen. Das kommt sowohl den Bewerberinnen als auch uns zugute.
Ich würde Frauen sagen: Lass dich nicht von Klischees abschrecken! Der Job als Triebfahrzeugführerin ist spannend, verantwortungsvoll und gibt dir das gute Gefühl, wirklich etwas Sinnvolles zu tun.
Es geht nicht um körperliche Kraft, sondern um Konzentration, Technik und die Fähigkeit, in herausfordernden Situationen ruhig zu bleiben – und das kann jede lernen. Ich hätte nie gedacht, dass dieser Beruf so gut zu mir passt, aber es war eine der besten Entscheidungen, die ich getroffen habe.
Wenn man Lust auf eine abwechslungsreiche und sichere Karriere hat, einfach ausprobieren – man wird überrascht sein, wie viel Spaß es macht!
Du kannst dir auch vorstellen, Lokführer*in zu werden?