Hautnah bei der MRB

02.02.2018

Traineestation bei der Mitteldeutschen Regiobahn

Nachdem ich nun bereits einige Zeit den Busbetrieb hautnah erleben durfte, zog es mich auch mal auf die andere Seite – dem Bahnbetrieb. Dafür blieb ich zwar in Sachsen, wechselte jedoch von einer Großstadt in die andere – von der Frauenkirche in Dresden zum Völkerschlachtdenkmal nach Leipzig zur Mitteldeutschen Regiobahn (MRB). Da Dresden und Leipzig nicht all zu weit auseinander liegen und die MRB ihren Sitz unmittelbar am Hauptbahnhof hat, entschied ich mich dafür, den alltäglichen Pendlerwahnsinn mitzuerleben und täglich von Dresden nach Leipzig zu pendeln. Leider hatte nicht nur ich die Idee und so war es jeden Morgen aufs Neue spannend, ob man einen Sitzplatz bekommt oder auch nicht.

In Leipzig angekommen, machte ich mich vom Hauptbahnhof auf zur MRB. Natürlich war ich ein bisschen aufgeregt, was und wer mich erwarten wird. Aber nachdem mich die Mitarbeiter sehr herzlich empfangen haben, verflog auch die Aufregung. Nachdem ich quasi gerade erst aus der Bahn ausgestiegen war, lief ich zurück zum Bahnhof, denn ich sollte in den ersten beiden Tagen das Streckennetz der MRB kennenlernen. Im Gegensatz zur Fahrt am Morgen, änderte sich meine Perspektive und ich durfte im Triebfahrzeugführerstand mitfahren. Eine Zugreise aus der „Pole Position“ mitzuerleben war noch einmal ein anderes Erlebnis anstatt als normaler Reisender mitzufahren und die Triebfahrzeugführer erklärten mir allerhand zur Technik und den Signalanlagen. Für mich als Bahn-Neuling war dies sehr aufschlussreich und so merkte ich, wie schnell eine Verspätung entstehen kann, bspw., indem die Schranke an einem Bahnübergang kurzfristig nicht funktionierte.

In den weiteren Wochen bei der MRB bekam ich einen Einblick in die verschiedenen Abteilungen. Dabei waren insbesondere die Abläufe in der Betriebsleitzentrale (BLZ) sowie der Betriebsplanung interessant, da es dort Schnittpunkte mit dem Busbetrieb gibt. Spannend war, wie schnell die Mitarbeiter der BLZ reagieren müssen, wenn auf den Schienen mal etwas nicht nach Plan läuft. Schließlich wollen alle Kunden die Anschlusszüge erwischen und pünktlich und zufrieden an ihr Ziel kommen. Auch die Betriebsplaner nahmen sich viel Zeit für mich und erklärten mir die Tücken, die es zu umgehen gilt, wenn eine Fahrplananordnung der DB im Mail-Postfach landet. In diesem Fall liegt die Kunst darin, den Fahrplan zu aktualisieren, die Dienste der Triebfahrzeugführer und Kundenbetreuer anzupassen und bei Baustellen Schienenersatzverkehr zu bestellen. Eine ganz schöne Herausforderung!

Zudem nahm ich an der Besprechung für die neuen Dienst-Turnusse der Triebfahrzeugführer und Kundenbetreuer mit dem Betriebsrat teil. Dort kam ich mir zwischenzeitlich so vor, als würde ich mich auf einem Basar befinden, da um viele Dienste gefeilscht wurde, was das Zeug hält. Schlussendlich waren aber alle mit der Arbeit der Betriebsplaner zufrieden und konnten in den verdienten Feierabend gehen.

Alles in allem war die Zeit bei der MRB wirklich spannend und aufschlussreich. Da die Kollegen vor Ort mich so nett aufnahmen, mir viel zeigten und mich zu unterschiedlichen Terminen mitnahmen, habe ich einen breiten Einblick in den Bahnbetrieb erhalten und kann meine Erfahrungen und Kontakte sicherlich auch nach meiner Trainee-Zeit nutzen.
Den Pendelwahnsinn jedoch, den werde ich sicherlich nicht vermissen!

Von: Julia Pohlmann