Fahrrad2Go – Deutschlandweit einmaliges innovatives Klimaschutzprojekt startet im Busverkehr des Rems-Murr-Kreises

Rems-Murr-Kreis, 05.08.2014

Das ist in ganz Deutschland einmalig: Ein Bus der im täglichen Linienverkehr bis zu zehn Fahrräder mitnehmen kann – fünf im Bus und fünf huckepack außen am Heck. Möglich wird dies durch neuartige Fahrradhalterungssysteme, die der Rems-Murr-Kreis gemeinsam mit dem Busunternehmen Omnibus-Verkehr Ruoff (OVR), Waiblingen, und der Fachhochschule für Technik Esslingen (FHTE) im Rahmen des innovativen Klimaschutzprojekts Fahrrad2Go entwickelt hat. Mit finanzieller Unterstützung des Verbands Region Stuttgart können sie nun auch im Praxistest erprobt werden. „Fahrrad2Go ist ein Quantensprung bei der Suche nach Lösungen für eine verbesserte, qualitativ hochwertige Verknüpfung von Fahrrad und ÖPNV“, sagte Winfried Hermann, baden-württembergischer Minister für Verkehr und Infrastruktur, bei der offiziellen Einweihung am 05.08.2014. „Solche Angebote machen den ÖPNV deutlich attraktiver.“

Ziel von Fahrrad2Go ist es, die umweltfreundlichen Verkehrsmittel Bus und Fahrrad mit einfachen, schnellen und sicheren technischen Lösungen besser zu verknüpfen. Um die neuartige Fahrradhalterung im täglichen Linienverkehr auf einer ersten Pilotlinie auf Herz und Nieren prüfen zu können, haben sich Rems-Murr-Kreis, OVR, VVS, und die Kommunen Winnenden, Schwaikheim und Korb mit finanzieller Förderung des Verbands Region Stuttgart zusammengeschlossen. Unter der Federführung des Landkreises und der Firma OVR ist eine Neukonzeption für die Linie 210 (Schwaikheim – Winnenden – Buoch) entwickelt worden, die die Fahrradmitnahme zwischen Winnenden und Buoch erlaubt (neue Linie 310) und eine Vielzahl von Verbesserungen im gesamten Linienverlauf aber auch im täglichen Linienbusverkehr für Fahrgäste aus Winnenden, Schwaikheim und Korb (Linie 210 neu) mit sich bringen wird.

Die Fahrradmitnahme im Linienbus ist im VVS bisher größtenteils nicht möglich – und wenn doch, dann recht problematisch. Im Bus können Fahrräder nur im Stehplatzbereich der zweiten Bustür mitgenommen werden. Hier haben jedoch beispielsweise Fahrgäste mit Kinderwagen, Rollatoren oder Rollstühlen Vorrang. Zudem besteht das Problem, die Fahrräder sicher zu befestigen. Eine Mitnahme außen am Bus hat den großen Vorteil, dass es zu keinen Konflikten mit anderen Fahrgästen kommt. Hierfür gibt es bisher jedoch keine Halterung, die für den täglichen Linienverkehr in einem Ballungsraum, wie es die Region Stuttgart ist, geeignet sind. Deshalb setzen die Firma OVR und der Rems-Murr-Kreis auf absenkbare Fahrradheckträger, die gemeinsam mit der Fachhochschule Esslingen entwickelt wurden, ergänzt durch ein Halterungssystem, das auch eine sichere Mitnahme im Bus erlaubt.

Regionaldirektorin Dr. Nicola Schelling vom Verband Region Stuttgart spricht von einer „mustergültigen Kooperation“ zwischen Wissenschaft und Praxis: „Der besondere Charme dieses Pilotprojekts liegt für uns in einer möglichen Übertragbarkeit auf andere Busse in der Region Stuttgart. Wir sind gespannt auf die Erfahrungen.“ Durch die Verknüpfung von Bus- und Radverkehr passe Fahrrad2Go ideal in das Förderprogramm „Modellregion für nachhaltige Mobilität“ der Region Stuttgart. Deshalb sei die regionale Finanzspritze für das Gesamtprojekt von bis zu 240.000 Euro gut angelegtes Geld.

In einer ersten Stufe des Projekts Fahrrad2Go hatten sich alle im Rems-Murr-Kreis tätigen Busunternehmen mit der Kreisverwaltung und dem VVS darauf verständigt, dass ab 1. Mai 2013 sonntags die Fahrradmitnahme kostenlos ist. Allerdings ist die Zahl auf zwei Räder pro Bus beschränkt und mit Blick auf die Sicherung der Fahrräder und Platzkonkurrenz mit anderen Fahrgästen (zum Beispiel Rollstuhlfahrern) problematisch. „Dies macht die Fahrradmitnahme bisher noch nicht verlässlich, da man – auf stärker nachgefragten Relationen – nicht weiß, ob man von dem Bus tatsächlich mitgenommen werden kann“, sagt OVR-Geschäftsführer Horst Windeisen. Der VVS begrüßt diese Initiative des OVR: „Künftig wird es auf der Pilotlinie wegen des Heckträgers keine Interessenskonflikte zwischen Radfahrern und anderen Fahrgästen geben“, zeigt sich VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger optimistisch. Das innovative Konzept sei einfacher, sicherer und schneller als die bisherige Fahrradmitnahme.

Bisher schon ist der Rems-Murr-Kreis im VVS einer der Pioniere in Sachen Fahrradmitnahme. „Der Waldbus, der Limesbus und der Räuberbus mit ihren Fahrradanhängern sind ein Erfolgsmodell im Freizeitbusverkehr, das dieses Jahr mit dem landkreisübergreifenden Berg- und Tal-Bus nochmals erweitert wurde“, berichtet Landrat Johannes Fuchs. Deshalb freut er sich besonders auf den Pilotversuch: „Jetzt wollen wir schauen, ob die Fahrradmitnahme auch im normalen Linienbus funktioniert. Durch eine bessere Vernetzung von Bus und Radverkehr versprechen wir uns nicht, nur Fahrgäste zu sichern und neue zu gewinnen, sondern auch die Attraktivität des ÖPNV gegenüber dem Auto zu steigern.“ Ganz besonders dankt er der Firma OVR und allen weiteren Partner des Projekts Fahrrad2Go für deren Kooperationsbereitschaft sowie deren engagierte Mitarbeit, um die Fahrradbeförderung im ÖPNV voranzubringen und den Rems-Murr-Kreis bei diesem Thema zu einem Musterlandkreis werden zu lassen.

Das Pilotprojekt Fahrrad2Go ist ein Baustein des Klimaschutzkonzeptes des Rems-Murr-Kreises. Die Entwicklungs- und Investitionskosten für die Fahrradhalterungssysteme werden vom Verband Region Stuttgart aus seinem Förderprogramm „Nachhaltige Mobilität in der Region“ zur Hälfte mitfinanziert. Es hat unter anderem das Ziel, die Verkehrsmittel im Umweltverbund besser miteinander zu vernetzen, damit mehr Strecken zu Fuß oder per Fahrrad statt im Auto zurückgelegt werden und CO2 eingespart wird. Die andere Hälfte der Entwicklungs- und Investitionskosten bezahlt der Rems-Murr-Kreis aus seinem Klimaschutzfördertopf.

Die Vertreter der drei Kommunen zeigen sich alle sehr erfreut über das Projekt.

Winnendens Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth freut sich, dass sieben Monate nach dem Start des neuen Bus-Konzepts weitere Verbesserungen kommen. „Die neue Struktur der Linie 210 mache den Bus in Winnenden noch attraktiver, da die Busverbindung über den großen Höhenunterschied zwischen Winnenden, Breuningsweiler und Buoch den Fahrradfahrern neue Routen im Bereich der Buocher Höhe ermöglicht. Darüber hinaus wird das Rems-Murr-Klinikum mit einer dritten Buslinie von Korb und Schwaikheim angebunden und es gibt auch deutliche Verbesserungen im Schülerverkehr.“

Der Korber Bürgermeister Jochen Müller ist froh, dass durch die Umsetzung des Projektes „Fahrrad2go“ eine direkte Verbindung von Korb zum Rems-Murr-Klinikum in Winnenden geschaffen wurde. „Eine ÖPNV-Verbindung zum Klinikum mit Umsteigen in Waiblingen und Winnenden war für die Korber Bevölkerung nicht vermittelbar. Durch die Neukonzeption der Linie 210 haben wir eine gute Lösung gefunden, die Korb nicht nur mit dem Klinikum, sondern auch mit Schwaikheim und der Stadt Winnenden verbindet.“

Schwaikheims Bürgermeister Gerhard Häuser hebt hervor: „Es ist sehr erfreulich, dass der öffentliche Nahverkehr in unserem Landkreis breiter und nachhaltiger aufgestellt wird. Wir versprechen uns von diesem Pilotprojekt die seit langem geforderte Verbesserung der Schülerbeförderung von und nach Winnenden sowie eine sehr gute Anbindung Schwaikheims an das Rems-Murr-Klinikum in Winnenden mit einer direkten Buslinie im Stundentakt.“

Da Zustieg und Ausstieg mit Fahrrad trotz des komfortablen Systems die bisherigen Fahrplanzeiten übersteigt, sind Änderungen bei der Fahrplangestaltung der bisherigen Linie 210 (Schwaikheim – Winnenden – Buoch) nötig. Die Firma OVR hat hierfür eine Konzeption erarbeitet, die zusätzlich zur Fahrradmitnahme wesentliche ÖPNV-Verbesserungen für Winnenden, Korb und Schwaikheim mit sich bringen wird. Montags bis freitags wird die bestehende Linie geteilt in die beiden Linienäste: Korb – Schwaikheim – Winnenden (Linie 210 neu) und Winnenden – Buoch (Linie 310)

Die Teilstrecke Winnenden – Buoch (Linie 310) ist die erste Pilotlinie für Fahrrad2Go. Die Strecke ist prädestiniert für den Test, weil mit rund 240 Höhenmetern ein großer Anstieg bewältigen werden muss. Weiter kann eine vertaktete Verknüpfung zum weiterführenden S-Bahn-Netz hergestellt werden. Auch aus der Bevölkerung dort kam der Wunsch nach einer Fahrradmitnahmemöglichkeit.

Leider kann zunächst die ursprüngliche Konzeption, neben dem Bahnhof Winnenden auch eine Erschließung der Remshaldener Teilorte im Remstal und der S-Bahn-Station Grunbach mit in die neue Linie 310 aufzunehmen, noch nicht umgesetzt werden. Trotz wesentlicher Vorteile für die Bevölkerung von Remshalden im Buslinienverkehr ist die Gemeinde bisher noch nicht bereit, sich an der gemeinsam erarbeiteten ursprünglichen Betriebskonzeption zu beteiligen. In der Hoffnung, dass sich die Gemeinde zu einem späteren Zeitpunkt doch noch zu einer Mitbeteiligung durchringen kann, hat Landrat Fuchs dem Bürgermeister und den Gemeinderäten von Remshalden signalisiert, dass die Tür für einen Einstieg zu einem späteren Zeitpunkt offen stehe.

Stark von der Neukonzeption auf den künftigen Linien 210 und 310 profitieren werden die Bürgerinnen und Bürger von Korb, Schwaikheim und Winnenden. Die Linie 210 neu wird unter der Woche von Korb über Schwaikheim nach Winnenden zum neuen Rems-Murr-Klinikum Winnenden fahren. Ab Schwaikheim besteht ein durchgehender Stundentakt. Von Korb nach Winnenden und zum neuen Klinikum wird eine zweistündliche Verbindung eingerichtet. Zwischen dem Bahnhof Winnenden und dem Rems-Murr-Klinikum entsteht durch die Neukonzeption der Linie 210 in Verbindung mit der Linie 335 ein 20-Minuten-Takt. Außerdem bietet die Linie 210 in Korb einen Anschluss an die Linie 209 von und nach Weinstadt und in Schwaikheim zur S-Bahn sowie Verbesserungen im Schülerverkehr.

Weil sich die Fahrzeiten der Linie 310 durch das Be- und Entladen von Fahrrädern verlängert, besteht in Winnenden künftig durchgehend Anschluss von und zur S-Bahn statt bisher zu den Regionalzügen. Für Schüler verkürzen sich außerdem die Wartezeiten in Richtung Buoch.

Die zusätzlichen Betriebskosten für die Neukonzeption schultert der Landkreis zusammen mit den Gemeinden Korb, Schwaikheim und der Stadt Winnenden.

Hintergrundinformation:

Eine Studie für das vom Kreistag des Rems-Murr-Kreises im November 2012 verabschiedete Klimaschutzkonzept hat es an den Tag gebracht: Im Rems-Murr-Kreis ist der Verkehrssektor mit 37 Prozent der größte Verursacher des CO2-Ausstoßes. Davon verursacht der PKW-Verkehr 60 Prozent der klimaschädlichen CO2-Emissionen, wobei 50 Prozent der zurückgelegten PKW-Wege nur fünf Kilometer oder kürzer sind. Das größte Potenzial im Verkehrssektor sieht das Klimaschutzkonzept darin, mehr Strecken zu Fuß, per Fahrrad oder ÖPNV statt mit dem Auto zurückzulegen. Aber nicht nur im Landkreis, auch auf Landes- und Bundesebene rücken die Stärkung und Vernetzung umweltfreundlicher Mobilitätsträger immer mehr in den Fokus des verkehrspolitischen Interesses.

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